Die Maus ist eine …Ratte! | Mental Guard

Die Maus ist eine …Ratte!


DIE MAUS IST EINE …RATTE!

Es ist immer wieder verführerisch, sich umzusehen und zu entdecken, was andere Menschen erforscht haben, und welche Rückschlüsse sie daraus ziehen. Daher hat mich auch SPENCER JOHNSON interessiert. Spencer Johnson ist Bestseller-Autor mit Millionenauflagen. Er war Mediziner an der Harvard Medical School und der Mayo Clinic, Medizinischer Direktor für Kommunikation bei Medtronic, den Erfindern des Herzschrittmachers, und Forschungsarzt am Institute for Interdisciplinary Studies. Im Klappentext seines Buchs „DIE MÄUSESTRATEGIE FÜR MANAGER“ findet sich: Er „transportiert Lebensphilosophie direkt und nachvollziehbar, und mit viel Humor,…“.

Ich erhielt das Buch in Form einer Hörbuch-CD. Das Geschenk einer jungen Managerin stieß bei mir sofort auf Interesse. Die Mäusestrategie für Manager ist ein kleines griffiges Büchlein, allseits unter Managern als „Mitbringsel“ beliebt und gerne augenzwinkernd an Kollegen weitergereicht. Ich fand die Geschichte beim flüchtigen Hören während langer Autofahrt witzig, knackig, cool. Allerdings hatte ich sie dann auch schnell wieder „vergessen“.

Durch einen Zufall in einer Coachingsitzung mit einem Manager ergab sich eine erneute Begegnung mit Johnson’s Mäusestrategie. Bei der darauffolgenden näheren Betrachtung musste ich dann leider feststellen, dass die vielgelobte Strategie den Leser zusehends irritieren und enttäuschen kann.

Die Bemerkung eines Bankers „Das Buch kennt ja jeder, aber so toll ist es nun auch wieder nicht und bringen tut’s schon gar nichts!“ fand ich dann angesichts der Buchauflage spannend. Nach nochmaligem Lesen unter NLP Gesichtspunkten bin ich jetzt ebenfalls „not amused“.

Statt einer Inhaltsangabe, die ja entbehrlich zu sein scheint, weil sowieso fast jeder Angesprochene das Büchlein kennt, möchte ich hier den Spruch zitieren, der dem Inhalt vorangeht, und bei dem sich vielleicht jetzt schon ein ungutes Gefühl einstellt, das der geneigte Leser nach der Lektüre des Büchleins wohlmöglich empfinden mag:

„Das Leben ist kein schöner gerader Gang,
den wir ungehindert frei durchschreiten,
sondern ein Labyrinth aus Korridoren,
durch die wir unseren Weg zu bahnen haben,
verirrt und verwirrt und immer aufs Neue
in Sackgassen gefangen.

Doch wenn wir nur den Glauben haben,
wird Gott uns immer eine Türe öffnen,
keine vielleicht, an die wir selbst
auch nur im Traum gedacht haben,
doch eine, die sich uns am Ende
als segensreich erweisen wird.“ A.J. Cronin

Was für ein Leben! – Vorbestimmt, ständig verirrt, verwirrt, nicht schön, und dann auch noch abhängig von einem Türöffner, der vielleicht sowieso nicht jedermanns Sache ist? Das ist ein interessantes NLP Coaching Thema!(Neurolinguistisches Programmieren – Definition s. www.dvnlp.de)

DIE MÄUSESTRATEGIE empfinde ich zunächst einmal als millionenfaches Weckinstrument für NLP BUSINESS COACHING an. Das Buch spricht in der Kürze des Textes, mit seiner Aufmachung und, nicht zuletzt durch den bekannten Autor, unsere stressgeplagten Manager auf raffinierte Weise an. Es beschreibt an einigen Stellen andeutungsweise Elemente aus dem NLP, bleibt aber dann doch sehr im Unbestimmten und verwirrt den Leser schlussendlich.

Von Aussagen wie:

„…wenn man sich nicht rechtzeitig anpasst, kann man es genauso gut gleich bleiben lassen…“ oder
„Wer losgeht und seine Angst hinter sich lässt, fühlt sich frei.“
oder
„Er wollte alles nur Mögliche unternehmen, Überraschungen durch unvorhergesehene Veränderungen zu vermeiden.“

hoffe ich, dass sie einfach nur überlesen und nicht sonderlich beachtet werden.

Die Tendenz zum „weg-von“ in dem Buch stört mich erheblich. Viele Motti sind passiv formuliert: „ES wird sich etwas ändern oder BEOBACHTE die Veränderungen oder PASS DICH schnell AN…“ Ständiges REagieren auf etwas und dauerndes sich ANpassen müssen an etwas, können Empfindungen des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit und der Überforderung erzeugen, die wiederum Gefühle von Frustration zur Folge haben und zu depressiven Verstimmungen führen können. Stichwort: Burnout

Im Gegensatz dazu kann ein NLP Coach den Klienten über dessen selbstständige Gedankenarbeit und dessen ureigensten Ressourcen den Weg in ein selbstbestimmtes, einzigartiges, befriedigendes Leben zeigen. Der Klient kann für sich selbst mit seinem Supercomputer „Gehirn“ ungezählte individuelle Lösungen finden, und sich damit ganz neue unverhoffte Wege eröffnen. Er gehört dann zu denen, die sich die Freiheit (von einschränkenden Gedanken und Gefühlen) nehmen können, um sich genau mit dieser herrlichen persönlichen Freiheit das Leben – beruflich und privat – zu gestalten und zu genießen!

„Freedom is Everything & Love is All the Rest
Dr. Richard Bandler

Und zum Schluss mit einem Augenzwinkern:

Erwischt! Johnson’s Mäuse sind Ratten! Sonst wären sie nämlich elendig verhungert oder selbst gefressen worden! Erkenntnisse einer Nicht-Zoologin, gewonnen aus Wikipedia:

über die Maus:
„Die Hausmaus …kann jedoch bei Futterknappheit in einen Erstarrungszustand fallen.“
und
„Effizient sind auch Lebendfallen…“

über die Ratte:
„Ratten sind Allesfresser. …können nicht nur alles fressen, was Menschen essen, sondern noch zusätzliche Stoffe wie Pelze, Seife, Papier, Bienenwachs…“ Zur Not fressen sie auch Mäuse!
und
„Ratten lassen sich aufgrund ihrer sozialen Intelligenz sehr viel schwerer fangen als Mäuse.“ Lebendfallen wie bei Mäusen sind daher ungeeignet.

Maus oder Ratte? Erstarrung oder Flexibilität? Leicht zu ködern oder schwer zu kriegen?

Spencer Johnson hat in seinem Büchlein für mich eindeutig die Strategie der Ratte beschrieben. Folglich müsste es eigentlich auch

„DIE RATTENSTRATEGIE FÜR MANAGER“

heißen. Wie viele Käufer es dann wohl noch gehabt hätte? Denn jeder weiß ja, eine Ratte ist hinterhältig, verschlagen und gefährlich. Oder?

Vielleicht aber auch das Gegenteil? Im asiatischen, indischen und chinesischen Lebensraum wird die Ratte geradezu verehrt. Sie ist ein Symbol für Intelligenz, Ehrlichkeit und Kreativität. Es soll Glück bringen, wenn einem Menschen eine „heilige“ Ratte über die Füße läuft! Und jetzt?

Also frage ich einmal den Leser: LIEBER MAUS ODER RATTE?

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